Präambel

Die PLATTFORM ist seit 1972 das Grundsatzprogramm der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Darin stellt sich die KSJ selbst dar; die PLATTFORM dient ihr als Arbeitsgrundlage und beschreibt ihre Ziele.

Darum werden die Meinungen und Handlungen der KSJler*innen aus der „Wir“-Perspektive beschrieben.

2016 beschloss die Bundeskonferenz, die PLATTFORM neu zu schreiben.

Sie ist auf allen Ebenen der KSJ diskutiert und erarbeitet worden.

2019 hat die KSJ nach dreijähriger Arbeit ihr Grundsatzprogramm neu beschlossen.

Diese neue PLATTFORM ist nun Grundlage und Gegenstand unserer weiteren Diskussionen. Unsere Kraft und Energie setzen wir im Sinne dieser PLATTFORM für unser verantwortungsvolles Engagement in unserem Jugendverband ein.

Die PLATTFORM besteht aus 26 Thesen mit jeweils einem erklärenden Text. Dabei kann sich mit dem Text als Ganzem beschäftigt werden oder nur mit einer einzelnen These.

Die Erklärungen der Thesen enthalten bewusst Doppelungen damit man sich jeweils einzeln mit diesen beschäftigen kann.

In den Thesen 1-6 stellen wir die Grundsätze und Prinzipien der Jugendarbeit in der KSJ dar.

In den Thesen 7-20 gehen wir auf die katholischen und politischen (Grund-) Überzeugungen und Ideale ein, die unsere Jugendarbeit im Ursprung begründen und wie sich diese in unserem Handeln konkret äußern.

In den Thesen 21-26 formulieren wir unsere großen gesellschaftlichen Visionen und Forderungen.

These 1 Wir sind die KSJ

Die Katholische Studierende Jugend (KSJ) ist ein Verband von und für Schüler*innen, Studierende und jungen Erwachsene.

Mit unserem Engagement setzen wir uns für die KSJ als Lern- und Lebensgemeinschaft ein.

Wir investieren eigenverantwortlich Zeit und Energie in eine Vielzahl an unterschiedlichen Aktivitäten und Angeboten.

Dabei stehen wir als einzelne Gruppe vor Ort nicht allein da. Jugendverband zu sein, bedeutet immer zu wissen, dass an anderen Orten weitere Gruppen die gleichen Ziele verfolgen. Dieses Gefühl der Gemeinschaft verbindet die Gruppen und Ebenen miteinander.

Auf der Stadtgruppenebene findet der Großteil der Verbandsarbeit statt. Sie bildet unsere Basis und zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus. Kinder und Jugendliche kommen in ihrer Freizeit zusammen, um diese gemeinsam ehrenamtlich und eigenverantwortlich zu gestalten. Dabei haben sie die größtmögliche Freiheit - der Schwerpunkt besteht aber in der Entwicklung und Durchführung von Veranstaltungen.

Alle Stadtgruppen eines Bistums bilden die Diözesanebene.

Vertreter*innen der Stadtgruppen kommen zusammen, um sich auszutauschen, gemeinsame Themen und Veranstaltungen zu beschließen und durchzuführen und um die KSJ nach außen zu vertreten.

Auf der Bundesebene werden von Diözesanvertreter*innen grundsätzliche thematische und politische Entscheidungen getroffen, die den gesamten Verband betreffen.

Darüber hinaus arbeitet die KSJ mit anderen Verbänden zusammen. Die KSJ ist Mitglied im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), in der europäischen YECI-MIEC und der weltweiten International Young Catholic Student (IYCS).

Das grundlegende Prinzip der KSJ lautet: „Jugend leitet Jugend“. Unsere Mitglieder entscheiden eigenständig, welche Veranstaltungen, Angebote und inhaltlich Themen sie angehen wollen. Sie erleben sich als eigene Person wie auch als Teil einer Gruppe, die soziale Verantwortung in Gesellschaft, Politik und Kirche übernimmt. Die KSJ ist in allen Belangen selbstständig und selbstorganisiert.

These 2 Wir sind offen für alle, die unsere Prinzipien als demokratischen und katholischen Verband teilen

Wir als KSJ sind grundsätzlich für alle Menschen offen, die bei uns aktiv werden wollen. Trotzdem gibt es für uns eindeutige Grenzen:

Innerhalb der KSJ werden alle Beschlüsse, Entscheidungen, Leitungen und Repräsentant*innen in demokratischen Prozessen gefasst und gewählt. Die demokratische Struktur ist nicht verhandelbar; sie ist in unseren Herzen und Satzungen verankert.

Als katholischer Jugendverband orientieren wir uns am Vorbild Jesu.

Er ist allen Menschen gleich nah, unabhängig von Religion, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, sozialer Schicht oder Beruf. Bei uns gibt es keinen Zwang zum religiösen Bekenntnis.

Wir unterstützen individuelle Zugänge zum Glauben und bieten Orte, an denen Glaube und Gemeinschaft erfahren und erlebt wird.

Wir grenzen uns von Fundamentalismus, Quietismus und unreflektiertem, geistlosem Aktivismus ab.

Wir lehnen jegliche Form von Diskriminierung sowie psychische und körperliche Gewalt vollkommen ab und gehen gegen sämtliche Formen entschieden vor.

Menschenfeindlichkeit hat in der KSJ keinen Platz. Da der Mensch das Geschöpf und Ebenbild Gottes* ist, bedeutet Menschenfeindlichkeit auch Feindlichkeit gegenüber Gott*. Ferner stehen wir auch aufgrund der universellen Menschenrechte gegen Menschenfeindlichkeit ein

These 3 Wir sind katholisch

Als Verband sind wir katholisch in einem allumfassenden Sinn.

Das visionäre Bild einer geeinten, ökumenischen, die ganze Welt umfassenden Gemeinschaft von Gläubigen, die sich aktiv in der Nachfolge Jesu für eine bessere und gerechtere Welt für alle einsetzen, ist katholisch im besten Sinne. Hierzu laden wir alle Menschen „guten Willens“ ein, daran mitzuwirken.

These 4 Demokratie leben, heißt Demokratie lernen

Wir trauen jungen Menschen in der KSJ von Anfang an viel zu und begleiten sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Die KSJ stärkt das Individuum, wie auch die Gemeinschaft durch die basisdemokratischen Strukturen des Verbandes. Unsere Mitglieder können von Anfang an mitbestimmen; Positionen werden gemeinsam diskutiert und abgestimmt; sämtliche Leitungspositionen werden gewählt.

Unsere Diskussionskultur ist respektvoll und wertschätzend. Gemeinsam versuchen wir, miteinander Lösungen und Kompromisse zu finden.

So wird die Bedeutung von Demokratie und deren Umsetzung selbstverständlich.

Das bedeutet für uns als KSJler*innen auch ein starkes Engagement außerhalb des Verbandes: in der Kirche, in der wir demokratische Organisationsstrukturen fordern und in der Gesellschaft, in der wir Widerstand gegen antidemokratische Entwicklungen leisten. Wir stehen auf der Seite von ökonomisch, strukturell und sozial benachteiligten Menschen und setzen uns auf Augenhöhe für sie ein.

These 5 Jugend leitet Jugend

In der KSJ entwickeln und führen junge Menschen Veranstaltungen für sich und andere durch. Dabei sind die jungen Menschen autonom in ihren Entscheidungen und übernehmen dafür Verantwortung.

Sie sind damit Vorbilder und Bezugspersonen für andere Kinder und Jugendliche.

Die erwachsenen Personen, die in der KSJ tätig oder aktiv sind, stehen mit ihrem Engagement in der zweiten Reihe. Erzwungene Einmischungen von Menschen und Organisationen von außen, die sich durch ihr Alter oder ihre Position zu legitimieren versuchen, lassen wir nicht zu.

In der KSJ qualifizieren wir unsere Mitglieder für ihre ehrenamtliche Arbeit. Hauptbestandteile dieser Qualifizierung sind unter anderem Pädagogik, Kommunikation, Teamfähigkeit und rechtliche Grundlagen.

Für alle Mitglieder und Gäste unserer Veranstaltungen soll die KSJ ein Ort sein, an dem sie sich sicher fühlen und sein können, wie sie sind. Deshalb legen wir besonders Wert darauf, dass die Themen Kinderschutz und Prävention von (sexualisierter) Gewalt ausführlich behandelt werden. So lernen die Mitglieder, wie sie sich gegen die Verletzung ihrer Rechte wehren können. Sie wissen, wie sie ihr Verhalten in Bezug auf Nähe und Distanz reflektieren und wie ein geschützter Rahmen in der Jugendarbeit aussieht.

Außerdem werden sie für das Thema Gewalt und Macht sensibilisiert und lernen, was Handlungsmöglichkeiten sind, wenn sie Grenzüberschreitungen erfahren oder beobachten.

These 6 KSJ wirkt an Schule

Die Mehrzahl unserer Stadtgruppen ist an Schulen organisiert. Durch unser ehrenamtliches Engagement gestalten wir den Schulalltag aktiv mit.

In Deutschland besteht eine allgemeine Schulpflicht. Durch Ganztagsunterricht und -betreuung fällt neben der Wissensvermittlung auch ein großer Teil der Freizeitgestaltung in den Aufgabenbereich der Schulen. So wird die Lebenswelt von jungen Menschen durch die Schule maßgeblich mitbestimmt.

Das Engagement in der KSJ ist dagegen freiwillig. Jedes Mitglied entscheidet selbst, was und wie viel es einzubringen bereit ist. Die KSJ bietet jungen Menschen ergänzend zur Schule einen Raum frei von Bewertungen und Leistungsdruck, wo sie sich innerhalb eines geschützten Umfeldes verwirklichen und einbringen können. Unsere Arbeit an und außerhalb von Schule geschieht auf zwei Ebenen:

In Veranstaltungen und Treffen werden die Werte der KSJ gelernt und gelebt. Dabei bieten wir die Möglichkeit, dass alle aktiv am demokratischen Stadtgruppenleben teilnehmen, und dieses mitgestalten können. Die durch das Engagement in der KSJ erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten können Schüler*innen dann auch anderweitig im Schulleben einbringen. Sie vertreten so ihre Interessen und sorgen damit für eine positive Entwicklung des Schulalltags.

Weiterhin wissen wir, dass es in der Praxis kein perfektes Schulsystem gibt und die Schule sich dadurch in einem ständigen Veränderungsprozess befindet. Daran wollen wir aktiv mitarbeiten.

Diese Mitarbeit funktioniert zum einen auf allen Ebenen unseres Verbandes in der politischen Auseinandersetzung und zum anderen im konkreten Handeln an Schule vor Ort.

These 7 Wir machen Kinder und Jugendliche stark und schützen sie vor Gewalt

Wir als KSJ setzen uns besonders für Kinderrechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt ein. Wir verurteilen sexuellen Missbrauch, insbesondere in der Kirche als auch in unserem Jugendverband und bedauern das unendliche Leid, das den Betroffenen zugefügt wurde.

Deswegen verpflichten wir uns, die Würde und Persönlichkeit der uns anvertrauten Kinder zu schützen.

Die Werte Respekt, Wertschätzung und Vertrauen bilden die Basis unserer Arbeit und in unserem Miteinander.

Ziel unseres Verbandes ist es, die Selbstbestimmtheit und das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Dies bedeutet auch die Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung und eine pädagogische Haltung, die sich positiv auf das Selbstwertgefühl von Kindern und Jugendlichen auswirkt.

Diskriminierung, verbales oder nonverbales gewalttätiges Verhalten haben in der KSJ keinen Platz.

Wir übernehmen Verantwortung, indem Leitungspersonen eine Vorbildrolle einnehmen:

Es gibt klare Regelungen zur Prävention und zur Intervention bei sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Alle pädagogisch handelnden Personen sind dazu verpflichtet, sich in dem Themengebiet zu qualifizieren.

Unser Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist geprägt von positiver Zuwendung, Transparenz und verantwortungsbewussten Beziehungen. Wir respektieren die jeweils individuellen Grenzen von Nähe und Distanz.

Ziel der KSJ ist es, dass sich Kinder und Jugendliche selbstbewusst für ihre Rechte einsetzen, diese kennen und sie deutlich äußern können.

Wir vertreten selbstverständlich die Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Wir verurteilen körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen.

Kinder und Jugendliche haben bei uns von Anfang an die Möglichkeit zur Partizipation und Mitbestimmung, gerade auch in demokratischen Prozessen wie Wahlen. Bei uns steht Kindern immer das Recht zu, sich zu beschweren.

Dies wird durch eine gelebte Feedbackkultur und Transparenz gefördert und ist Teil unseres Verständnisses von gelebter Demokratie.

These 8 Gott* ist in allen Dingen

Zu unseren religiösen Wurzeln gehört das spirituelle Fundament des Jesuitenordens – eine Spiritualität, die Gott* nicht nur in der Kirche, sondern aktiv im Leben und im Alltag sucht und zu finden vermag. Dies ist uns ein Grundanliegen und basiert auf unserem Gott*verständnis.

Das Verwirklichen wir vor allem, indem wir uns aktiv für eine bessere Gesellschaft und ein besseres Zusammenleben engagieren.

Ob politisch, ökologisch oder sozial.

In unserem Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung lassen wir Gott* und göttliche Spuren unter uns sichtbar werden und bauen gemeinsam am Reich Gottes*.

Unser Gottes*bild ist geprägt von einem nach Freundschaft und Beziehung mit jeder einzelnen Person suchenden Gott*. Ein Gott*, der uns unseren Einsatz für eine gerechtere und menschenwürdigere Welt im Lebensideal Jesu aufträgt und der uns die Kraft hierfür gibt.

Gott* ist keinem Geschlecht oder anderen menschlichen Kategorien zuzuordnen. Durch das * wollen wir auf die Geschlechtslosigkeit Gottes* aufmerksam machen.

Dies soll bewusst irritieren und herausfordern, damit ein männlich geprägtes Gottes*bild in unseren Köpfen aufgebrochen wird.

Wir wollen das Denken über Gott* weiten, damit mehr Menschen Zugang zu einer umfassenderen Beziehung zu Gott* erreichen können.

These 9 Wir sind aktiv, gerne und selbstbewusst Kirche

Wir sind Kirche, weil wir Kirche als Gemeinschaft von Gläubigen verstehen, die im Sinne Gottes* Verantwortung für sich und in der Welt übernimmt und Gottes* befreienden Worte als Hoffnung unter den Menschen lebendig hält. Diesem Auftrag werden wir durch unser tägliches Handeln gerecht, egal ob in Gruppenstunden, Konferenzen, auf Lagern oder bei Veranstaltungen. Überall bilden sich für unser Verständnis damit kleine und große Kirchen. Dadurch fühlen wir uns zu aktivem Handeln in der Gesellschaft verpflichtet.

Dies bringen wir mit Freude und Selbstbewusstsein auch innerhalb der institutionell verfassten Kirche ein.

Gottes*dienste und religiöse Feiern gehören zu unserem Selbstverständnis. Sie leisten einen wertvollen Beitrag für das KSJ-Gemeinschaftsgefühl und die Auseinandersetzung mit der eigenen Weltanschauung und Beziehung zu Gott*.

Wir befähigen KSJler*innen zu einer aktiven Beteiligung an liturgischen Handlungen, indem in unseren Gottes*diensten vor allem junge Menschen die inhaltliche Gestaltung übernehmen. So werden sie ermächtigt in Zukunft das Gemeindeleben kooperativ aktiv mitzuprägen.

These 10 Wir verändern und gestalten Amtskirche mit

Kirche ist kein Selbstzweck, sondern steht stets unter dem Anspruch Jesu, im Dienst an und mit dem Menschen. Hinter diesem Anspruch kann sie jederzeit nur zurückbleiben. Deshalb ist eine unkritische Identifikation mit der konkreten Gestalt der Amtskirche für uns nicht möglich. Überall, wo sie, statt zu dienen, zu herrschen versucht, muss sie sich der Kritik von innen und außen unterziehen und sich entsprechend verändern.

Gerade als junge Menschen sind wir in der Lage, Themen und Anliegen mit unserer Stimme anders zur Sprache zu bringen. Dies betrachten wir als einen wertvollen und prophetischen Dienst in und an der Amtskirche.

Wir verstehen Kirche als einen „Leib mit vielen Gliedern“ (1.Kor 12). Alle diese Glieder leisten ihren Beitrag für eine gelingende Gemeinschaft.

Aufgrund unserer positiven Erfahrungen mit Transparenz, Demokratie und Geschlechtergerechtigkeit drängen wir auf deren Verwirklichung auch in der Kirche. Nur so werden sich Menschen weiter ernstgenommen fühlen und sich mit Motivation und Identifikation in der Kirche einbringen.

Daher sehen wir uns berufen, aktiv in der Kirche gegen Klerikalismus und für demokratische Strukturen einzutreten.

These 11 Wir stellen Macht grundsätzlich in Frage

Beim Zusammenleben von Menschen bilden sich gewollt oder ungewollt Machtgefüge. Daraus entstehen verschiedene Positionen mit unterschiedlichen Machtanteilen.

Macht kann von Menschen, Strukturen und durch Institutionen ausgeübt werden.

Eine Gesellschaft kann nur für alle gut funktionieren, wenn sich in einem fortwährenden Prozess auf eine Struktur geeinigt wird, in der alle Macht begründet und kontrollierbar ist.

Sie sollte auf möglichst viele Personen und Institutionen verteilt werden, die nicht unersetzbar sind und bei Machtmissbrauch zur Verantwortung gezogen werden können. Durch solch kontrollierte Strukturen kann die entstehende Macht als Instrument zum Vorteil aller genutzt werden.

Die derzeit beste Form, diese Anforderungen zu erfüllen, ist die (wehrhafte) Demokratie.

Das gilt nicht nur für Gesellschaften (wie zum Beispiel Staaten), sondern auch für alle anderen Institutionen wie beispielsweise Verbände, Unternehmen, Vereine und Vereinigungen.

Alle bestehenden Machtstrukturen in Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft sollen grundsätzlich infrage gestellt werden und müssen fortlaufend daraufhin überprüft werden, ob sie die oben genannten Anforderungen noch erfüllen. Tun sie dies nicht, muss eine Veränderung angestrebt werden. Dieses ist insbesondere in Bereichen mit Kindern und Jugendlichen von besonderer Bedeutung.

Auch deswegen leben wir in der KSJ in demokratischen Strukturen und treffen gemeinsam selbstbestimmte Entscheidungen.

Gemeinsam als Jugendverband setzen wir uns für die gemeinschaftlichen Interessen ein und übernehmen Verantwortung für unser Handeln und den Folgen des Unterlassens dieser Handlungen.

These 12 Alle gesellschaftlichen Systeme sind veränderbar

Es gibt keine natürlichen gesellschaftlichen Systeme, Kulturen und Werteverständnisse; all diese sind durch menschliches Handeln entstanden.

Das bedeutet, dass sie sich ständig verändern, weiterentwickeln und nichts Menschengemachtes ewige Gültigkeit besitzt. Dadurch sind sie generell veränderbar.

Beispiele dafür sind Gesetze, Vorschriften, Institutionen, Religionen, Weltanschauungen, Geschlechterrollen und Wirtschaftssysteme.

Dabei beziehen wir auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse stets mit ein.

Auf Grundlage dieses Bewusstseins handeln wir in Gesellschaft, Kirche und Politik.

Als KSJler*innen formulieren wir Zukunftsvisionen und Utopien und schrecken nicht davor zurück, große Ideen zu entwickeln und weitreichende Veränderungen einzufordern.

Dabei lassen wir uns von den scheinbar natürlichen gesellschaftlichen Systemen, Institutionen und Hierarchien nicht verunsichern oder gar abschrecken.

These 13 Wir gestalten mit Jesus den Aufbau des Reiches Gottes*

Jesus Christus ist als Ursprung, Mitte und Ziel des christlichen Glaubens das unüberbietbare Vorbild unseres Handelns, da in seinem Leben und Sterben ein letzter göttlicher Sinn deutlich wurde. In einer einmaligen und absoluten Weise hat sich Jesus mit dem Willen Gottes* identifiziert.

Jesus setzte sich überall für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Glück, und Versöhnung ein, um so das Reich Gottes* auf Erden zu verwirklichen. Somit ist überall, wo Menschen für diese Ziele eintreten, der Wille Gottes* und das Reich Gottes* anfangshaft verwirklicht.

In diesem Sinne verstehen wir die KSJ als einen Ort, an dem wir mit Jesus gemeinsam die Welt verändern und uns aktiv für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Da, wo uns Unterdrückung und Unfreiheit, Krieg und Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Armut, Hass und Ausgrenzung begegnen, setzen wir uns für die Verwirklichung von Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Glück und Versöhnung ein.

These 14 Christlich sein heißt politisch sein

In der Nachfolge Jesu zu leben, bedeutet für uns, politisch aktiv zu sein. Jesu, und unser Streben, das Reich Gottes* auf Erden zu verwirklichen, kann nur durch politisches und gesellschaftliches Handeln erreicht werden, da Individuen in Abhängigkeit der sie umgebenden Strukturen und Entwicklungen leben.

Dieser Herausforderung stellen wir uns.

These 15 Wir setzen uns für die Würde aller Menschen ein

Als KSJ sind wir in der Nachfolge Jesu Christi dazu verpflichtet, uns für jeden von Ausgrenzung, Entwürdigung und Diskriminierung betroffenen sowie bedrohten Menschen einzusetzen und die Stimme für ihn zu erheben.

These 16 Wir leben gleichberechtigte Diversität

Als katholischer Jugendverband ist es uns wichtig, uns mit dem Thema Gleichberechtigung der Geschlechter auseinanderzusetzen.

Ein weitverbreitetes Problem in Gesellschaft, Politik und Kirche ist, dass von einem Geschlechterbild ausgegangen wird, das ausschließlich die Geschlechter „Mann“ und „Frau“ anerkennt.

Dabei werden Frauen oftmals zusätzlich benachteiligt.

Menschen werden in Geschlechterrollen und Klischees hineingedrängt. Es ist zwar möglich, sich diesen zu entziehen, dies ist aber oftmals schwierig und wird nicht immer akzeptiert. Auch wir als KSJ können uns Rollenklischees nicht entziehen.

Ziel der KSJ ist es, mit den Rollenbildern zu arbeiten und ein Bewusstsein zu entwickeln, wo sich diese in den verschiedensten Bereichen des Lebens auswirken. So versetzen wir uns in die Lage diese gezielt aufzubrechen.

Dazu ist eine Gleichstellung aller Menschen in allen Bereichen wichtig. Um dies zu erreichen, wollen wir Kinder und Jugendliche in ihren individuellen Bedürfnissen stärken und ihnen selbstbestimmte Freiräume zur Verfügung stellen. Zusätzlich benötigen sie Vorbilder ihres eigenen und anderer Geschlechter sowie positive Erfahrungen eines partnerschaftlichen Miteinanders.

Die Themen Gleichstellung, Geschlecht und Gender und die damit einhergehende Diversität sind grundlegende Bausteine der Identitätsbildung von jungen Menschen. Daher ist es uns wichtig, das Bewusstsein gegenüber diesen Themen zu verstärken.

Damit ein solches Bewusstsein entsteht, müssen wir ständig aufs Neue unser eigenes Handeln und Sprache hinterfragen. Ein mühsamer Weg, der sich aber mehr als lohnt.

Denn am Ende steht die Anerkennung und Akzeptanz des Individuums, das sich verwirklichen kann, ohne dafür zunächst geschlechtliche Anforderungen erfüllen zu müssen.

Wir setzen uns durchgängig mit der Besetzung unserer Gremien und Leitungsämter im Hinblick auf Geschlecht auseinander.

Aber es ist nicht ausreichend, innerhalb unserer Strukturen zu denken und zu agieren.

Es ist uns als KSJ wichtig, den Umgang mit dem Thema gleichberechtigte Diversität durch die Gesellschaft, Politik und Kirche kritisch zu betrachten und gemeinsam in die Diskussion zu gehen, um ein generelles Umdenken zu erreichen.

These 17 Gemeinsam sind wir individuell

KSJ ist Gemeinschaft.

Wir entscheiden gemeinsam, womit wir uns auseinandersetzen. Dabei kann und soll jede*r im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Verantwortung übernehmen.

In unserer Gemeinschaft unterstützen wir uns gegenseitig und stehen füreinander ein. Die Gemeinschaft prägt uns und bietet Perspektiven, die Orientierung und Sinn für das eigene Leben stiften. Dieser Zusammenhalt ermöglicht einen geschützten Rahmen, sich frei zu entfalten.

Hierbei ist es uns wichtig, dass die Individualität der einzelnen Person gewahrt wird, weil wir als KSJler*innen in dem Bewusstsein leben, dass jeder Mensch von Gott* erwünscht und einmalig ist. Die Gemeinschaft KSJ soll jedem Mitglied sowohl Sicherheit als auch Freiheit bieten, individuelle Belange austauschen zu können.

Jedes Mitglied hat dabei die Chance, in seiner Einzigartigkeit aufzublühen und sich selbst zu entfalten.

Sie erfahren sich sowohl als Individuum, aber auch als Teil einer Gemeinschaft mit sozialer Verantwortung.

Dadurch werden Empathie und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel erlernt.

Außerdem ist es für uns wichtig, die Wahrung der persönlichen Grenzen im Blick zu behalten und Überschreitungen dieser äußern zu können.

Jede Meinung ist wichtig und muss jederzeit geäußert werden können.

Die einzelnen Stärken und Schwächen der Individuen ergänzen sich dabei in ihrer Vielfalt.

These 18 Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume

Kinder und Jugendliche benötigen ausreichend Raum und Zeit, um ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Identität zu finden. Dabei stehen sie oft unter dem Druck fremder Erwartungen, dass Freizeitgestaltung einen Mehrwert bringen muss.

Durch Ganztagsschulen und das überreiche Freizeitangebot wird die freie Zeit, die Kindern und Jugendlichen zur Verfügung steht stark eingeschränkt und von außen mit Regeln, Zeiten und Leistungsdruck bestimmt.

Zweifelsohne sollen die Kinder und Jugendlichen weiterhin von diesen Angeboten profitieren können. Sie müssen jedoch zusätzlich die Möglichkeit haben, ihre Freizeit selbstständig zu gestalten. So erhalten Kinder und Jugendliche eine weitere Chance, sich selbst zu erfahren, herauszufinden wer sie sind, und in welche Richtung sie sich entwickeln wollen.

Kinder und Jugendliche brauchen die Freiheit, ohne Druck, Überwachung und Identitätszuweisung Dinge auszuprobieren, ihre Fertigkeiten zu entwickeln, scheitern zu dürfen und daraus lernen zu können. Sie müssen die Möglichkeit haben, Vertrauen in sich und ihre Handlungen zu erwerben.

Wir als Jugendverband bieten Kindern und Jugendlichen Freiräume in einem geschützten Rahmen, welche sie selbstorganisiert nutzen können. Wir bieten ihnen Raum, Zeit und Ressourcen, sich selbst auszuprobieren, Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen sowie Sicherheit sich etwas zuzutrauen.

Damit unterstützen wir sie dabei, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Wir begleiten und unterstützen sie, wo es nötig ist. Wir setzen uns gegen eine besondere Überwachung von Kindern und Jugendlichen und gegen die Funktionalisierung ihrer Freizeit ein.

These 19 Nicht alles muss gelingen

Die Qualität unserer Arbeit beruht auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit sowie auf der Identifikation und Begeisterung junger Menschen. Sie suchen sich ihr Tätigkeitsfeld selbstbestimmt aus und übernehmen Verantwortung.

Im Gegensatz zum Leistungs- und Bewertungssystem der Schule und der Gesellschaft, in der jegliches Tun zweckorientiert und erfolgreich sein muss, schaffen wir Freiräume, um Erfahrungen zu sammeln und sich selbst auszuprobieren.

Dabei muss nicht alles gelingen. Scheitern ist unvermeidlich und damit Teil menschlicher Erfahrung.

Das erkennen wir an.

Dafür fordern wir Verantwortung in angemessenen Maßen ein.

Dennoch ist uns in erster Linie wichtig, dass Kinder und Jugendliche kreativ werden und in der KSJ ihre Ideen umsetzen. So ermöglichen wir ihnen, ganz eigene einzigartige Erfahrungen zu machen.

Dabei verstehen wir uns als Anwält*innen für junge Menschen und setzen uns auch nach außen für ihre Rechte und Belange ein.

Durch Begleitung, stetige Reflexion und eine ausgeprägte Feedbackkultur fördern wir einen konstruktiven Umgang mit Erfolg und Scheitern. Reflexion ist eine konstruktive Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit und mit sich selbst.

Dadurch werden die gemachten Erfahrungen, egal ob positiv oder negativ, zu wichtigen Erkenntnissen die Kinder und Jugendliche für sich gewinnen.

These 20 KSJler*innen sind für das Leben gewappnet

Kinder und Jugendliche können durch die unterschiedlichen Facetten des KSJ-Engagements eine komplexe und vielschichtige Persönlichkeit entwickeln, indem sie sich mit sich selbst und ihrer Umwelt kritisch auseinandersetzen und so ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Dadurch wird unter anderem das Bewusstsein für Menschenrechte, Demokratie, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Verantwortung geschärft und Fähigkeiten zur Teamarbeit, Entscheidungsfindung, Reflexion, Sozialkompetenz, und Identitätsfindung werden erlangt.

In der KSJ lernen wir Kontakte zu pflegen, Gemeinschaften aufzubauen, in einer vertrauten Umgebung Spaß zu haben und sich selbst zu entwickeln. Das Engagement in der KSJ ermutigt zu kreativer Planung und flexibler Umsetzung der jeweiligen Anliegen.

Außerdem lernen wir die vorhandenen Systeme kritisch zu reflektieren und lösungsorientiert zu arbeiten.

Unser Ziel ist es, Systeme zu verändern und so etwas zu bewirken.

Uns ist es wichtig, politische Strukturen zu erkennen; wo nötig eine kritische Haltung diesen gegenüber zu entwickeln, und für Verbesserungen einzutreten. Unsere Mitglieder sollen sich in diesen Strukturen selbstständig, selbstbewusst und frei bewegen können, um für ihre Belange einstehen zu können. Dabei unterstützen wir uns gegenseitig mutig zu sein, unsere Meinung zu äußern, und aufgeschlossen gegenüber neuem zu sein.

These 21 Junge Menschen sind fähig, sich für ihre Interessen einzusetzen

Junge Menschen sind diejenigen, die von den Folgen politischer Entscheidungen am längsten betroffen sind.

Trotzdem sind sie in gesellschaftliche und politische Prozesse kaum eingebunden. Sie haben eigene Perspektiven, die sie aber zu selten einbringen können. Häufig wird nicht mit jungen Menschen entschieden, sondern über ihre Köpfe hinweg. Dabei spielt es keine Rolle, ob Entscheidungen beispielsweise in der Familie, der Kirche, der Schule oder der Politik gefällt werden; junge Menschen bleiben zumeist außen vor.

Dabei setzen sich Kinder und Jugendliche sehr wohl für ihre Interessen ein, und treffen verantwortungsvolle Entscheidungen für sich und andere.

Entscheidungsträger*innen müssen dies anerkennen, und sowohl das politische als auch das gesellschaftliche System in diesem Sinne angepasst werden. Wir als KSJ setzen uns für diese Veränderung ein.

Junge Menschen müssen sich an der Gestaltung ihrer Umwelt beteiligen können, nicht nur innerhalb unseres Verbandes.

Wir unterstützen alle Ansätze, die echte Partizipation und Teilhabe von jungen Menschen ermöglichen. Wir organisieren und vernetzen junge Menschen, um ihnen so gemeinsam Gehör zu verschaffen.

These 22 Gesellschaft gelingt einzig und allein gemeinschaftlich

Gesellschaften sind Zusammenschlüsse von Menschen, die durch gemeinsame Überzeugungen und Rahmenbedingungen miteinander verbunden sind.

Den Rahmen in der deutschen Gesellschaft bildet für alle das Grundgesetz, das darin enthaltene Menschenbild und die damit verbundenen, nicht verhandelbaren Menschenrechte.

Menschen handeln sowohl aus Eigeninteresse als auch im Sinne der Gemeinschaft. Beide Seiten haben grundsätzlich ihre Berechtigung.

Ziel der KSJ ist eine solidarische Gesellschaft, die den gemeinschaftlichen Teil der Menschen fördert, die Eigeninteressen einbindet und der Individualität gerecht wird.

Innerhalb der Gesellschaft sollen unterschiedliche Lebensstile und Anschauungen gleichberechtigt nebeneinanderstehen, solange sie nicht zulasten der Freiheit anderer gehen.

Wir wenden uns gegen Entwicklungen, die Menschen ausschließen und Gräben zwischen Gruppen auftun, anstatt das Verständnis füreinander zu fördern.

Dieser Ansatz muss nicht nur auf der persönlichen und nationalen, sondern auch auf globaler Ebene gelten. Die freiheitliche Entwicklung einer Gesellschaft darf nicht zulasten der Freiheiten anderer Gesellschaften gehen.

These 23 Wir schaffen eine gerechte und lebenswerte Zukunft

Alles Handeln hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft.

Als Jugendverband sind wir uns dessen bewusst.

Unser Ziel ist ein Handeln, dass nicht auf kurzfristige Gewinne für kleine Gruppen aus ist, sondern langfristige Konsequenzen berücksichtigt.

Bei allen politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entscheidungen müssen immer die sozialen und die ökologischen Folgen berücksichtigt werden. Verursacher von Problemen, egal ob beispielweise Institutionen, Unternehmen oder Einzelpersonen, müssen dafür die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen.

Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, welche die Folgen ihrer Handlungen nicht auf andere abwälzt, sondern selbst nach Lösungen sucht.

Welche Folgen es hat, wenn das nicht eingehalten wird, sehen wir heute an einer Vielzahl von ökologischen und sozialen Problemen: Armut, Flucht, Umweltzerstörung und der menschengemachte Klimawandel sind nur einige der großen Herausforderungen, welche die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten bewältigen muss. Die Lösung dieser Katastrophen und deren Ursachen muss bei allen Entscheidungen oberste Priorität haben.

Wir als KSJ arbeiten daran, unsere Welt lebenswert zu erhalten und zeigen damit unsere Solidarität mit nachfolgenden Generationen.

Das bedeutet für uns, nicht nur auf technische Lösungen zu hoffen, sondern konkret zu handeln.

Wir möchten allen Menschen die gleichen Chancen auf ein gutes Leben ermöglichen.

These 24 Wir teilen unseren Reichtum, damit jeder Mensch auf der Erde ein gutes Leben führen kann

Insbesondere in den letzten Jahrzehnten hat der globale Norden einen beispiellosen Reichtum angehäuft.

Niemals ging es den Menschen dort im Durchschnitt besser als heute. Trotzdem gibt es selbst dort Menschen, die in Armut leben.

Dies ist nicht zwangsläufig selbst verschuldet, sondern liegt vor allem daran, dass Vermögen extrem ungleich verteilt ist.

Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man den Globalen Norden mit dem Globalen Süden vergleicht. Hier fehlt der Zugang zu grundlegenden Ressourcen, wie Wasser und Lebensmitteln. Der gesellschaftliche Wohlstand im globalen Norden hat seinen Preis, den aber andere bezahlen: eine katastrophale Zerstörung der Umwelt und eine massive Ausbeutung der Menschen des globalen Südens. Dieser Wohlstand überschreitet die Möglichkeiten des Planeten.

Immer mehr Menschen führen einen Lebensstil auf Kosten anderer, und der Umwelt, beispielsweise mit hohem Konsum, Fernreisen und großem Fleischverzehr. Es ist offensichtlich unmöglich, allen Menschen diesen ausbeuterischen Lebensstandard zu ermöglichen, ohne die Welt endgültig zu ruinieren. Das deutlichste Symbol dafür ist der Klimawandel, der massive Auswirkungen auf das Leben von Menschen überall auf der Welt hat und haben wird.

Gleichzeitig streben immer mehr Menschen diesen Lebensstandard an, wie er für uns als Gesellschaften des globalen Nordens schon lange zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Wir müssen also Konsequenzen für unseren Lebensstill ziehen: Um die Welt für alle zu erhalten, müssen wir lernen unseren Besitz zu teilen. Das bedeutet Verzicht bei der Auswahl an Produkten und Möglichkeiten, an die wir mittlerweile gewöhnt sind, andererseits erhalten wir so die Chance, unser Verhältnis zu Besitz zu überdenken.

Wir müssen uns persönlich fragen, was wirklich für uns notwendig ist, um ein angemessenes, umweltförderliches Verhältnis zu Besitz und Konsum zu erreichen. Teilen und Kooperatives Zusammenleben sind Möglichkeiten, um bewusst und mit gutem Gewissen zu konsumieren. Wir wollen die Folgen unseres Konsums für die Umwelt und andere Menschen nicht weiter verdrängen.

Die Umstellung unserer individuellen Lebensstile reicht allerdings nicht aus.

Wir brauchen zusätzlich politische Lösungen.

Als KSJler*innen setzen uns für eine Politik ein, die eine gerechte Teilhabe für alle Menschen ermöglicht und die verantwortlichen Akteure*innen zur Rechenschaft zieht. Diese muss lokale, regionale und weltweite Rahmenbedingungen setzen, die faires und ressourcenschonendes

Wirtschaften ermöglicht und erzwingt.

These 25 Frieden kann nicht durch Gewalt herbeigeführt werden

Wir unterscheiden zwischen Frieden, „Nicht-Krieg“ und Krieg.

Unter Frieden verstehen wir eine wirkliche, positive und freundliche Verbindung mit dem Gegenüber.

Damit grenzen wir Frieden von dem Status des Nicht-Krieges ab, der dann eintritt, wenn zwar kein bewaffneter Konflikt herrscht, die Grundvoraussetzungen dafür aber noch vorhanden wären. Dieser Nicht-Krieg führt wieder zu Krieg, wenn keine aktiven Maßnahmen zur Befriedung und Versöhnung getroffen werden.

Die Hauptleidtragenden bewaffneter Konflikte sind meistens unschuldige und unbeteiligte Zivilisten. Jegliche Form bewaffneter Auseinandersetzungen führen für diese zu noch mehr Leid. Militärische Aktionen können in Extremsituationen von Nöten sein, um Kriege in den Status eines Nicht-Krieges zu überführen.

Frieden kann aber nicht durch Gewalt herbeigeführt werden.

Wir als Jugendverband setzen uns aktiv für echte Friedensprozesse ein und verurteilen Aktionen und Akteur*innen, die keinen Frieden anstreben, sondern Kriege billigen, vorantreiben und vergrößern.

Kriege sind zwar immer möglich, dürfen aber nicht aktiv durch entsprechende Voraussetzungen und Material weiter ermöglicht und intensiviert werden.

Daher erwarten wir von allen Verantwortungsträger*innen in Kirche, Gesellschaft und Politik ein aktives Eintreten für Frieden und Versöhnung in allen Kriegs- und Nicht-Kriegs-Gebieten.

These 26 Wir sind kritische Visionär*innen

Diese PLATTFORM ist unter anderem eine Zusammenstellung von Zukunftsvisionen für eine lebenswerte Weltgemeinschaft. Deshalb betrachten wir uns als junge, konstruktiv-kritische Visionär*innen. Wir werden von der Hoffnung getragen, dass der Mensch sich, gegenüber sich selbst, seinen Mitmenschen und der Welt besser verhalten kann. Dafür schließen sich junge Menschen in der KSJ zu einem Verband zusammen. So kann die KSJ eine kritische Stimme in Kirche und Gesellschaft einbringen. Wir sind durch eine gelebte Kultur des ständigen Hinterfragens geprägt. Diese kritische Haltung übertragen wir in alle Bereiche unseres Lebens. Deshalb sind wir in der Lage, begründet Stellung zu beziehen und dementsprechend zu handeln.

Wir wissen, dass diese PLATTFORM voller Zukunftsvisionen ist. Wir wissen auch, dass wir diesen Visionen noch lange nicht gerecht werden, aber wir haben die Vorstellung einer besseren Welt. Innerhalb der KSJ wollen wir uns für diese bessere Welt engagieren, uns aktiv für Veränderungen einsetzen und Verantwortung für uns, unser Handeln und dessen Auswirkungen auf die Welt übernehmen. Wir machen diese Zukunftsvisionen nach außen hin sichtbar, indem wir eine Inspiration für unsere Mitmenschen, Kirche, und Politik sind.