Vierte Welle und wir sind traurig, wütend und ratlos!

Liebe Leser*innen,

eine digitale Bundeskonferenz! – Damit haben wir in diesem Jahr nicht gerechnet: Wir haben Impfungen, Tests, Hygienekonzepte und wir haben Erfahrungen. Also haben wir bislang wirklich daran geglaubt, dass unsere Bundeskonferenz in diesem Jahr zumindest teilweise in Präsenz stattfinden kann.

Die Bundeskonferenz der KSJ ist das Großevent für Verantwortungsträger*innen in unserem Verband. Dort, wo viele Leitungen, Gruppenleiter*innen zusammenkommen, sich begegnen, austauschen und erleben, dass sie mit ihren Idealen und Problemen nicht allein sind. Hier schöpfen unsere Verantwortungsträger*innen Motivation und Kraft für die Jugendarbeit vor Ort. Der Titel unserer Verbandszeitschrift beschrieb schon in den 90ern den magischen Dreiklang „Der Mensch- Das Leben- Die Buko“. Die scherzhafte Übertreibung macht eines jedoch deutlich: Für Verbandler*innen sind Konferenzen lebendige Treffpunkte im Verbandsleben.

Doch die Bundeskonferenz der KSJ ist nur eine von vielen Begegnungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in der Jugendarbeit, die nun entfallen müssen oder in den digitalen Raum verlegt werden. So wie viele andere Verbände auch- zum Beispiel die Pfadfinder*innen in Fulda, die einen ähnlichen Brief geschrieben haben - übernehmen wir als Jugendverband Verantwortung angesichts der aktuellen Lage: Die Expert*innenmeinungen und Prognosen sprechen eine klare Sprache und sehen ziemlich düster aus. Somit war uns das Risiko zu schwerwiegend, dass es einen Corona-Ausbruch gibt, der bei den Teilnehmenden oder ihren Angehörigen zu schweren gesundheitlichen Folgen führen kann.

Doch dies geht nicht spurlos an uns, dem Verband vorbei:

Wir sind traurig

Wir sind traurig, dass uns die persönlichen Begegnungen einen weiteren Winter genommen werden. Vieles wurde liebevoll vorbereitet und kommt nun wieder einmal in die Schublade. Wir wissen auch, dass die Absage oder Änderungen des Veranstaltungsformats zu Trauer und Enttäuschung bei Kindern und Jugendlichen führen kann. Ihnen entgeht wieder eine Möglichkeit der Begegnung mit Gleichaltrigen – in dieser Lebensphase eines der wichtigsten Elemente ihrer Entwicklung.

Wir sind wütend

Junge Menschen haben während der Pandemie schon enorm viel zurückgesteckt. Jugendverbandler*innen, also junge Menschen, die sich sozial und politisch engagieren, haben während der Pandemie viel für andere getan und mussten im Gegenzugviel Frustration erdulden: Ihre Veranstaltungen wurden abgesagt, verschoben oder umgeplant. Sie haben Hygienekonzepte erstellt und sich impfen lassen. Wir finden es absolut nicht fair, dass die Menschen, die in der Pandemie einen wichtigen Beitrag geleistet haben, nun wieder verzichten müssen. Doch was uns am meisten ärgert: Diese Situation wäre vermeidbar gewesen, wenn mehr Erwachsene die Prognosen der Expert*innen ernst genommen und bereit gewesen wären, sich impfen zu lassen. Auch die Politik hat unser Ansicht nach nicht auf die Prognosen des RKI im Sommer 2021 reagiert. Doch das Virus macht keine Wahlkampfpause!

Wir sind ratlos

Selbst wir als hauptamtliche Leitung kommen in eine Ratlosigkeit. Wie sollen wir junge Menschen aktuell noch trösten oder motivieren? Sollen wir wieder aufs nächste Jahr hoffen, wie im letzten Jahr auch schon? Wie sollen wir der Hoffnungslosigkeit in der jungen Generation begegnen, nicht nur hinsichtlich ihrer Situation in der Pandemie, sondern auch angesichts der viel größeren Krise: der Klimakrise. Studien zeigen, dass junge Menschen zunehmend um ihre Zukunft bangen. Wir fragen uns, wann diese Ängste endlich ernst genommen werden. Wir wissen es nicht und sind zunehmend ratlos.

Deswegen zum Ende noch ein Appell:

Liebe Leser*innen (wenn Sie es noch nicht getan haben): Lassen Sie sich impfen und boostern! Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene brauchen nun wirklich eine Perspektive für die nahe Zukunft.

Liebe Politik, liebe Gesellschaft: Stellt die Interessen von Kindern und Jugendlichen endlich in den Mittelpunkt eurer Entscheidungen! Sie sind unsere Zukunft und werden aktuell immer wieder vergessen und an den Rand gedrängt.

Jugendarbeit sollte unter sicheren Bedingungen stattfinden können. Dies geht aktuell aber nur, wenn alle mithelfen.

Herzliche Grüße

Die KSJ Bundesleitung

Rebekka Schuppert und Patrycja Reczek