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Geschichte des Bundes Neudeutschland

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Unsere Geschichte begann damit, dass 1918/19 Jesuiten und Religionslehrer auf die Idee kamen, einen Verein für Pennäler (gemeint ist der damalige gemeine Gymnasiast) zu gründen. "Neu-Deutschland - Verband katholischer Schüler an höheren Lehranstalten." Der Name war Programm: Neugestaltung Deutschlands nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches. Dabei setzten die Jesuiten, allen voran P. Ludwig Esch, auf die individuelle Persönlichkeitsbildung - insbesondere durch ignatianische Exerzitien. In der Gründungseuphorie begreifen sich bereits im ersten Monaten circa 10.ooo Schüler als Neudeutsche. Bis 1923 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Dies ist sozusagen die Gründungsgeschichte von oben.

Gleichzeitig ist die Jahrhundertwende auch die Zeit der Jugendbewegung. Mit ihrer Forderung nach Einfachheit, Echtheit und Selbstbestimmung kollidiert der jugendliche Lebensstil mit dem Autoritätsdenken der katholischen Kirche und führt zu heftigen Konflikten im ND. Kompromisse stehen am Ende des Klärungsprozesses, wie jener, dass der geistliche Studienrat, ein Priester, in allen religiös-sittlichen Fragen die entscheidende Instanz sei, aber die ND-Gruppen sich ihre Priester selbst auswählten.

Insgesamt kann man den ND als katholisch domestizierte Jugendbewegung charakterisieren. Mit der Verabschiedung des Hirschberg-Programm 1923 beginnt die letzte große Programmdebatte. Der "Willen zu gesunder Jugendbewegung" wird mit der Aufforderung zu "innerlich echtem Katholisch-sein" kombiniert. Letztlich führe der einfache, natürliche Lebensstil zur "Neuen Lebensgestaltung in Christus".

Mit der Verabschiedung des Hirschbergprogramms und nach einer dramatischen Debatte auf der Burg Normannstein spaltet sich der jugendbewegtere ND-Flügel ab. Die 'Normannsteiner' konnten sich mit ihrer Forderungen nach fakultativen Wahlen von Priestern und Aufnahme von Mädchen nicht durchsetzen. Die bereits bestehenden neudeutschen Mädchengruppen wurden von der ND-Bundesführung schlichtweg rausgeschmissen. Wenig später gründen die Mädchen und Frauen darauf hin den Heliand.

Rund um die Grundsatzdebatten um das Hirschbergprogramm halbieren sich die ND-Mitgliedszahlen. In den folgenden Jahren bis zur "nationalsozialistischen Machtergreifung" wächst die ND-Schülerbund wieder auf mehr als 21.ooo Mitglieder. Gleichzeitig beginnt er sich auszudifferenzieren. Neben der ND-Jüngerengemeinschaft formiert sich aus ehemaligen Schülern der ND-Älterenbund.

Manche in der ND-Bundesführung machen sich zunächst Illusionen über die nationalsozialistische Jugendpolitik und begrüßen den "neuen Staat" als Gegenentwurf zu dem "Pluralismus" der Weimarer Republik. In den einzelnen Gruppen und Regionen kommt es kurz nach der Machtübernahme zu offenen Feindseligkeiten mit der Hitlerjugend und der staatlichen Administration. Dabei gerät die ND-Schülergemeinschaft unter den doppelten Druck als katholischer Jugendverband, der sich an Schulen organisiert. Manche ND'er und Gruppen arrangieren sich mit der Hitlerjugend, andere ziehen sich in die Sakristei & innere Emigration zurück oder versuchen in der Illegalität ihr Gruppenleben weiterzuführen. Einige, auch einzelne ND-Gruppen leisten aktiven Widerstand. So stammt Willi Graf, Mitglied der studentisch-bündischen Widerstandgruppe "Weiße Rose" aus dem ND. Offiziell wird im Juni 1939 der ND-Jüngerenbund verboten.

Nach dem Zusammenbruch des und der Befreiung vom NS-Unrechtsregime wird Neudeutschland reaktiviert. Neu akzentuiert an der Gründung wird der Bundesgedanke. Seitdem strukturiert sich der ND in drei Gemeinschaften. Darin spiegelt sich der Gedanke eines Bundes, der von Schülerzeiten bis ins hohe Alter reicht. Die Jungengemeinschaft von damals heißt heute Schülergemeinschaft im Bund Neudeutschland. Im KSJ-Hochschulring organisieren sich Studierende. Der Männerring hat sich Anfang der Achtziger in Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen, kurz KMF umbenannt.

Der Modernisierungsschub in der Bundesrepublik der sechziger Jahre, aber auch der Umbruch mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil führt im Bund zu einer Zerreisprobe. Während der Männerring durch die Aufbaugeneration im "Wirtschaftswunderland" gebildet wird und durch innerkirchliche Aktivitäten geprägt ist, engagiert und politisiert sich der Hochschulring bei den Studentenprotesten.

Das neu akzentuierte Selbstverständnis der Jungen dokumentiert sich mit der Namensänderung. Statt dem herkömmlichen "Jungengemeinschaft" charakterisiert sich die "Schülergemeinschaft" als Zielgruppenverband und als Aktionsgemeinschaft. Die Schüler plädieren dafür, mehr Bildung zu wagen und unterstützen die Reformen des Schulsystems.

Zu dem neuen Selbstverständnis gehört auch seit den siebziger Jahren eine enge Kooperation mit dem Heliand-Mädchenkreis. Die neue Arbeitsgemeinschaft wählt den Namen Katholische Studierende Jugend in Anlehnung an die internationale KSJ. Nach mehrjährigen kontroversen Programmdebatten mit unzähligen Kampfabstimmungen wird von den KSJ'lerInnen die Plattform als Grundsatzpapier und Basis für die Zusammenarbeit beschlossen. KSJ'lerInnen geht es um eine Verwirklichung des Reiches Gottes. Diese biblisch-theologischen Grundlegung bildet damals wie heute den Ausgangspunkt der KSJ-Aktivitäten. Mitte der neunziger Jahre wird das Grundsatzprogramm neu verabschiedet.

Fast zeitgleich mit der KSJ aktualisiert auch der Bund Neudeutschland sein Hirschberg-Programm. Die Würzburger Fassung setzt an mit einer Zeitdiagnose, knüpft an die "Reich-Gottes-Theologie" an und entwickelt daraus das Programm einer "Neuen Lebensgestaltung in Christus".


Katholische Studierende Jugend
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