HELIAND

Geschichte des Heliand-Bundes

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Lasst euch erzählen, wie es begonnen hat und wie wir zu unserem Namen kamen. Am Anfang war der ND. Ist das ein Anbändelungsversuch? Erraten! Deshalb ein kurzer Blick auf die Gründungsgeschichte des Bundes Neudeutschland.

Der Bund Neudeutschland wurde auf Anregung des Kölner Erzbischofs, Kardinal von Hartmann, 1919 als Schülerverband gegründet. Er fand "eine intensive Seelsorge für die Schüler höherer Lehranstalten dringend erforderlich, wenn es gelingen soll, die Gebildeten der Kirche zu erhalten". Im Namen "Neudeutschland" sollte zum Ausdruck kommen, dass an einem neuen, besseren, christlichen Deutschland mitgewirkt werden wollte. In den Themen der Bündischen Jugend "Natürlichkeit, Einfachheit, Wahrhaftigkeit, Selbstverantwortung, Gemeinschaft" wurde ein Weg zu diesem Ziel gesehen. Das Hirschberg-Programm fasste dann das Wollen und Streben in dem Leitsatz zusammen: "Neue Lebensgestaltung in Christus".

Nun gab es aber auch Mädchen an höheren Schulen. Und Schwestern beobachteten ihre Brüder. Sie fragten erstaunt: Was ist denn mit den Jungen los? Zitat aus einem Zeitzeugnis: "Aber seltsame Wandlungen im Gehaben unserer Brüder und Freunde hatten wir schließlich durchschaut: sie doktorten verzweifelt an ihrer Kleidung herum, schnitten lange Hosenbeine ab; sie sträubten sich gegen Schülermützen, Schlipse und hohe Kragen; sie machten sich nichts mehr aus dem lang ersehnten Zigarettenrauchen. Sie waren ernster, und doch zugleich - befreit von einer etwas unglücklichen, verfrühten Männlichkeit - wieder jungenhafter geworden. Mit einem Wort ‚echter' ... Und so allmählich kamen wir hinter ihr Geheimnis: sie hatten jetzt etwas in ihrem Leben, wofür man unbedingt ‚echt' sein musste. Einen ‚Bund' sagten sie ... Sie hatten einen gemeinsamen Lebensraum gefunden, auf dem sich Gemeinschaft gründen ließ."

Verständlich, dass die Mädchen Ähnliches erfahren wollten. Einige nahmen an den Aktivitäten der Gruppe teil, andere bildeten eigene Gruppen (bereits im November 1919 in Offenbach). Und schon bald gab es im Umkreis des Bundes Neudeutschland eine Parallelbewegung zum Knabenbund: 'Neudeutsche Mädchengruppen'. An Pfingsten 1924 trafen sie sich aus verschiedenen Städten in Kassel und formulierten das Ziel "katholische Jugendbewegung selbständig und unabhängig von den Knaben aus der rein erfassten Mädchenart heraus zu gestalten".

Viele Vorurteile und Missverständnisse hatten die Mädchen zu überwinden. Familie und Kirche taten sich schwer, den Mädchen zu gestatten, was die Jungen sich längst erobert hatten: bündisches Leben in Gruppen unter jugendlicher Führung, das Wandern mit Wimpel und Lied. Gebildete Mädchen und Mädchengruppen waren für die damalige Zeit - erst recht im katholischen Bereich - eine ungeheure Neuigkeit. "Wandernde Mädchengruppen, keine Schärpen tragende Kongregationsjungfrauen? Unglaublich?"


Der Name HELIAND - ein Programm

Nicht nur in der Kirche, auch im gesellschaftlichen Bereich gab es erhebliche Vorbehalte gegenüber der Zusammenarbeit von Jungen und Mädchen. Und wenn sich die Mädchen gar die gleichen Freiheiten wie die Jungen herausnahmen? Dies widersprach ganz und gar der hergebrachten katholischen Vorstellung. Es durfte nicht sein. Die Jesuiten mussten ihre anfängliche Mitarbeit zurückziehen. Den Namen "Neudeutschland" beanspruchten die Jungen für sich allein.

So trennten sich die Mädchengruppen 1926 vom Bund Neudeutschland. Die Mädchen hielten Briefkontakt untereinander, und es kam zu einem regen Gedankenaustausch, der die Idee hervorbrachte, einen Geistlichen als Führer zu gewinnen. Die Münchner Gruppe wandte sich an Studienrat Georg Kifinger: "Am Werden des Mädchenbundes, der als Parallele zum Großneudeutschen Jungenbund dasselbe Ziel "Neue Lebensgestaltung in Christus" hat, wollen wir arbeiten. Damit unser Wirken aber nicht des nötigen Rückhalts entbehre, suchen wir uns Rat einzuholen bei erfahrenen, verständnisvollen Persönlichkeiten ...". Recht selbstbewusst, nicht wahr? Die Briefschreiberin, Klara Beck, war in der 8. Klasse (heute 12. Klasse) eines Münchner Gymnasiums.

Georg Kifinger entzog sich der Bitte nicht, und München wurde zum Mittelpunkt der neuen Bewegung. Die Vision eines großen Bundes studierender Mädchen nahm Gestalt an. Ein Mädchen aus der Nürnberger Gruppe schlug für den neuen Bund den Namen "Heliand" vor. Wie kam sie denn auf diese Idee?

Den Schülerinnen und Schülern damals war das Heliand-Epos wohl vertraut. Teile davon waren in den Schulbüchern abgedruckt. Es ist eine altsächsisches Verserzählung aus dem 9. Jahrhundert und erzählt in Stabreimen die Geschichte der Evangelien. Der Dichter stellt die neutestamentliche Lehre mit den Stilmitteln seiner Zeit dar: Christus erscheint als mächtiger König, die Jünger treten als seine Gefolgsleute auf.
Und so, wie der Dichter damals den Germanen das Christentum in deren sprachlichen Bildern nahe brachte, wollten die Mädchen das Evangelium in die Gegenwart und in ihr Leben übersetzen.

Ostern 1927 wurde der Heliand-Bund in Beuron/Donautal offiziell begründet und die ersten Leitsätze formuliert. Klara Beck wurde zur Bundesführerin gewählt.
Von der Gruppe aus Stuttgart wurde ein Heliand-Abzeichen entworfen. Und die Münchner Gruppe formulierte das Bundesgebet.


Die Leitsätze

Im Gegensatz zum Bund Neudeutschland, der als Gründung ‚von oben' entstand, hatten beim Heliand-Bund die jungen Mädchen die Initiative selbst ergriffen. Auch bei der Formulierung der Leitsätze setzten sie ihre eigenen Vorstellungen um:
Die Impulse der Jugendbewegung: Selbständigkeit gegenüber der Erwachsenenwelt, Echtheit und Natürlichkeit, die Anforderungen der Frauenbewegung, sich als Frauen den Aufgaben der Zeit zu stellen, und die Zuordnung zur liturgischen Bewegung kamen in den Leitsätzen zum Ausdruck.

Die Mädchen erlebten in der Gruppenarbeit des Heliand-Bundes eine verschworene Gemeinschaft unter Gleichaltrigen. In eigener Verantwortung wurde das Gruppenleben gestaltet. Auf Wanderungen und Fahrten kamen die Mädchen quer durch Deutschland. Aus einem Fahrtenbericht:
"Frohe Lieder singend zogen wir durch das Städtchen. Da machten sie die Augen auf, die guten Bürger, als sie die stramme Mädchenschar mit leuchtenden Augen und wehendem Wimpel durch die Straßen marschieren sahen!" Die Faszination muss enorm gewesen sein, die engen Grenzen übersprungen zu haben, die den Mädchen durch die Konvention aufgezeigt waren.

Im Wissen um die Aufgaben, die später als katholische Frauen auf sie warten, soll "lebendige Aufgeschlossenheit für die großen Fragen der Gegenwart" erstrebt werden. Die ‚weibliche Wesensbestimmtheit' wird als spirituelle Dimension gesehen. Dem Mütterlichen, dem Dienenden werden Kraft und Wirkung zugeschrieben.

Der Weg zur leben gestaltenden Frömmigkeit wird in der Mitfeier der Liturgie, der Teilnahme an Christuskreisen und Bundesexerzitien gesehen. Kirchlich-soziale und karitative Aufgaben sind zu erfüllen.

Die Leitsätze von 1932 lauten:

"Unser Ziel: Die neue Lebensgestaltung in Christus.

Sie verbindet uns im Tiefsten und Letzten mit der gesamten katholischen Jugend und mit allen glaubenstreuen Katholiken. Diesem Hochziel ordnen sich unsere drei Aufgabenkeise ein:

  1. Frohes Jungsein, das aber um die Not unseres Volkes und unserer Kirche weiß.
  2. Starkes Frauentum, das sich lebendig in die heutige Zeit und die heutige Kultur hineinstellt.
  3. Lebengestaltende Frömmigkeit, die unserem Sein und unserem Tun tiefsten Sinn und letzte Einheit verleiht."


Katholische Studierende Jugend
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